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Berlin/ Betroffene des Contergan-Arzneimittelskandals demonstrieren am Samstag (26.11.11) in Berlin. Rund 50 Jahre nach dem Contergan-Skandal fordern Geschaedigte eine Aufstockung der Ausgleichszahlungen und Schmerzensgeld von der Herstellerfirma Gruenenthal. "Hier muss das Unternehmen wieder in die Pflicht genommen werden, es muessen endlich Gespraeche stattfinden auf Augenhoehe, mit Gruenenthal, aber auch mit anderen Beteiligten aus Politik und aus Opferverbaenden", sagte Gernot Stracke, Vorsitzender des Hilfswerks fuer Contergan-Geschaedigte in Hamburg, am Samstag im Deutschlandradio Kultur. (zu dapd-Text) Foto: Adam Berry/dapd

Pharma und Gesundheit?

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  • Beitrag zuletzt geändert am:23. Oktober 2021
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Geht es um Gesundheit?

Der Vorsitzende des Bundesverbands Contergangeschädigter, Andreas Meyer, hielt 2009 vor dem Sitz von Grünenthal eine Mahnwache.

„Leere Hülse und ein PR-Gag“

Die Entschuldigung des Pharmaherstellers Grünenthal hat weltweit Empörung unter Contergan-Opfern ausgelöst. Sie kritisieren, das Unternehmen habe seine Schuld an dem menschlichen Leid immer noch nicht eingeräumt. Anwälte australischer Geschädigter bezeichneten die Geste gar als erbärmlich.

Der Spiegel, 01.09.2012

Contergan – die Robbenkinder 1

Im Juni 1960 ließ in den USA die Food and Drug Administration (FDA) ein neues Medikament gegen Cholesterin zu: MER/29, entwickelt von dem amerikanischen Unternehmen Richardson-Merrell (das unter anderem die bekannte Erkältungssalbe Wick VapoRub® erfand). MER/29 (generischer Name Triparanol) war das erste Medikament, das speziell für die Cholesterinreduzierung auf den Markt kam, das damals als Verdächtiger Nummer 1 bei Herzleiden galt. Das Marktpotenzial war (und ist noch heute) enorm: 60 Millionen Betroffene, so die Schätzung von Merrells Marketingleuten.

Die Reptilienmenschen

Es zeigte sich, dass MER/29 bei manchen Patienten Ichthyosis (Fischschuppenkrankheit) verursachte; charakteristisch für diese Erkrankung ist eine schmerzhafte Verhärtung der Haut, verbunden mit der Bildung von Schuppen, die an solche von Reptilien erinnern. Die Betroffenen ähnelten, wie es hieß, Alligatoren. Anderen fielen die Haare aus, und bei manchen entwickelte sich grauer Star. Merrell jedenfalls weigerte sich hartnäckig, die Ärzte brieflich vor diesen Nebenwirkungen zu warnen – ungeachtet der dringenden Empfehlungen der FDA.

Die MER/29-Affäre mit den Reptilienmenschen ist kaum bekannt, weil sie im kollektiven Gedächtnis von einem weit sensationelleren Skandal überdeckt wird, in den der Pharmahersteller Merrell ebenfalls verwickelt war. Genau zu der Zeit, in der der Fall MER/29 publik wurde, war die Firma tatsächlich dabei, ein anderes Medikament auf den Markt zu bringen; intern hatte man ihm die Bezeichnung MER/32 gegeben, und bei der FDA war seine Marktzulassung unter dem Handelsnamen Kevadon® beantragt worden. Der generische Name lautete Thalidomid.

Beruhigungs- und Schlafmittel Contergan

Merrell hatte die Lizenz zur Verwertung von Thalidomid für die Vereinigten Staaten und Kanada von der deutschen Pharmafirma Chemie Grünenthal erworben, die dieses Molekül 1954 synthetisiert hatte. Grünenthal hatte es in Europa und Australien unter den Handelsnamen Distaval® und Contergan® mit viel Erfolg als Beruhigungs- und Schlafmittel auf den Markt gebracht. Verkaufsargument war die Sicherheit: Auf der Basis von Tierversuchen, die zeigten, dass man Ratten massive Dosen von Contergan verabreichen konnte, ohne sie zu töten, behauptete Grünenthal, im Gegensatz zu den damals als Schlafmittel eingesetzten Barbituraten bestehe bei ihrem Medikament keine Gefahr einer Überdosierung (es hatte keine klinische Studie am Menschen gegeben). Weil das Thalidomid scheinbar unschädlich war, wurde es in mehreren Ländern Europas ohne Rezept frei verkauft. Außerdem wurde es Schwangeren gegen die morgendliche Übelkeit empfohlen.

Gegen Ende der 1950er-Jahre begannen Ärzte auf Hunderte Fälle peripherer Neuropathie (Taubheit oder Kribbeln in Armen und Beinen) infolge von Thalidomid hinzuweisen. Jedes Mal leugnete Grünenthal, von diesen unerwünschten Nebenwirkungen zu wissen, während man gleichzeitig die erhaltenen Hinweise in einem geheimen »Bunker« versteckte, für den ein darüber befindlicher Fabrikschornstein als Tarnung diente. Im Januar 1961 musste das Unternehmen schließlich in einem Schreiben an die medizinische Fachzeitschrift The Lancet einräumen, dass dieses Problem tatsächlich existierte. Später schätzte man, dass in Deutschland nicht weniger als 40 000 Personen nach der Einnahme von Thalidomid von peripherer Neuropathie betroffen waren.

Dr. Frances Kelsey

Der Brief in The Lancet ließ Dr. Frances »Frankie« Kelsey, der für den Vorgang Thalidomid zuständigen FDA-Pharmakologin, keine Ruhe. Vier Monate zuvor hatte Merrell seinen Antrag auf Marktzulassung für Kevadon eingereicht. Überzeugt, dass es sich dabei nur um eine Formalität handle, hatte das Unternehmen 2,5 Millionen Tabletten Kevadon gratis an Ärzte verteilt, um, wie der Vizepräsident sagte, »den Kaufwillen durch Werbemaßnahmen vor der Einführung des Produkts zu fördern«. Im November 1960 hatten in den USA bereits 29 000 Menschen Thalidomid eingenommen, ohne dass das Medikament auch nur zugelassen gewesen wäre.

Kelsey indessen hegte Zweifel hinsichtlich der Unschädlichkeit des Medikaments. Nach einem Gespräch mit Joseph Murray, dem Leiter von Merrells Abteilung für Kontakte zur Wissenschaft, gelangte sie zu der Überzeugung, dass das Unternehmen in Hinblick auf die von Thalidomid hervorgerufenen Nervenschäden sehr wohl auf dem Laufenden gewesen sei, es jedoch unterlassen hatte, dies in den eingereichten Unterlagen anzugeben. Es gelang Kelsey, die Zulassung von Kevadon für fast ein Jahr hinauszuschieben, obwohl die Firma sie unablässig einschüchterte und unter Druck setzte.

Veröffentlichung des Skandals in der Welt am Sonntag

Am 26. November 1961 veröffentlichte die Welt am Sonntag in einem Artikel die Warnung des Hamburger Kinderarztes und Humangenetikers Dr. Widukind Lenz vor schweren Nebenwirkungen von Thalidomid. Es schien, als hätten Schwangere, die zwischen der fünften und der achten Schwangerschaftswoche auch nur eine einzige Tablette Thalidomid eingenommen hatten, monströs missgebildete Babys geboren. Die Kinder litten an »Phokomelie« (vom gr. phôké: Robbe und mélos: Glied), einer 1836 von dem Zoologen Étienne Geoffroy Saint-Hilaire beschriebenen angeborenen Fehlbildung, die inzwischen in Vergessenheit geraten war, weil sie so selten vorkam. Wie bei Seehunden befanden sich bei den »Contergan-Kindern« Hände oder Füße direkt am Rumpf. Es kam auch vor, dass die eine oder andere Körperöffnung verschlossen war oder dass das Baby keine Harnblase besaß. Andere Missbildungen beeinträchtigten das Herz-Kreislauf-System, den Verdauungstrakt, die Lungen oder die Leber.

Die Hälfte der Kinder starb bei der Geburt

Praktisch gleichzeitig veröffentlichte The Lancet einen Artikel des Gynäkologen William McBride, der in Australien das gleiche Phänomen beobachtet hatte. Einer späteren Schätzung zufolge kamen weltweit zwischen 8000 und 10 000 Kinder mit Phokomelie zur Welt, hauptsächlich in Deutschland und England (in Frankreich hatte das Thalidomid keine Zulassung erhalten). Die Hälfte von ihnen starb im Jahr nach der Geburt.

Grünenthal reagierte auf Lenz’ Warnung, die dieser auf einer Tagung ausgesprochen hatte, mit einem an 70 000 deutsche Ärzte versandten Brief, in dem man sie der völligen Harmlosigkeit von Thalidomid versicherte. Angesichts der zu erwartenden Lawine von Titelschlagzeilen über »Contergan-Kinder« nahm das Unternehmen jedoch unmittelbar nach dem Welt am Sonntag-Artikel das Medikament in Deutschland vom Markt – nicht ohne sich in einer Verlautbarung darüber zu beklagen, dass »die in der Presse veröffentlichten Informationen die Grundlage einer wissenschaftlichen Diskussion untergraben« hätten. In anderen Ländern hielt Grünenthal Thalidomid noch einige Monate länger auf dem Markt, oft unter anderen Markennamen oder als Bestandteil anderer Mittel.

Senator „Kefauver Harris Amendment“

In der Folge brachte Senator Kefauver den amerikanischen Kongress dazu, eine Reihe Ergänzungen zum Food, Drug, and Cosmetic Act zu verabschieden, welche die Kompetenzen der FDA durch die Forderung erweiterten, dass die Pharmafirmen künftig nicht nur die Unschädlichkeit, sondern auch die Wirksamkeit ihrer Medikamente nachzuweisen hatten. Mit diesen unter der Bezeichnung »Kefauver Harris Amendment« bekannten Gesetzesänderungen begann die systematische und praktisch umfassende Nutzung randomisierter, placebokontrollierter klinischer Doppelblindstudien zur Bewertung von Medikamenten.

Vier Jahre darauf erhoben die deutschen Behörden nach langen Ermittlungen Anklage gegen Chemie Grünenthal und neun seiner Führungskräfte. Vor Gericht ließ Grünenthal renommierte Toxikologen aufmarschieren, die feststellten, nach dem Stand der Wissenschaft könne man nicht mit Sicherheit beweisen, dass zwischen Thalidomid und den Missbildungen der Neugeborenen ein kausaler Zusammenhang bestehe. Die Anwälte der Firma brachten zudem vor, dass die Föten vom deutschen Recht ohnehin nicht geschützt würden, weshalb die Anklage null und nichtig sei. Der Prozess zog sich bis 1970 hin; dann schloss das Unternehmen einen Vergleich und erklärte sich bereit, bei einer Einstellung des Verfahrens gegen die Führungskräfte, 100 Millionen D-Mark an die Opfer zu zahlen (zumindest an jene, die überlebt hatten).

Es sollte bis zum 31. August 2012 dauern, ehe Grünenthal sich bei denjenigen entschuldigte, denen schon bei der Geburt das Leben geraubt worden war. An diesem Tag enthüllte Harald F. Stock, der damalige Vorsitzende der Konzernleitung, im Kulturzentrum von Stolberg bei Aachen eine Bronzestatue, die ein auf einem Stuhl sitzendes Mädchen ohne Arme und mit deformierten Beinen zeigt. An die Opfer gerichtet, erklärte Stock, Grünenthal tue es »sehr leid«, dass es so lange bis zu dieser Würdigung gedauert habe:
Wir bitten Sie, unsere lange Sprachlosigkeit als Zeichen der stummen Erschütterung zu sehen, die Ihr Schicksal bei uns bewirkt hat.
Zweifellos werden die Opfer die so zum Ausdruck gebrachte Feinfühligkeit zu schätzen gewusst haben.

Big Pharma = Big Money

Die Impfstoffhersteller Pfizer und Moderna werden im Jahr 2022 voraussichtlich einen gemeinsamen Umsatz von 93,2 Mrd. USD erzielen, fast doppelt so viel wie in diesem Jahr, so Airfinity, ein Analyseunternehmen für Gesundheitsdaten.

Airfinity schätzt den Gesamtumsatz für COVID-Impfstoffe im Jahr 2022 laut Financial Times auf 124 Milliarden US-Dollar.

„Die Zahlen sind beispiellos“, erklärte Rasmus Beck Hansen, CEO von Airfinity, gegenüber der Financial Times.

NachDenken…

Was ist die Pharmaindustrie?

Die Pharmaindustrie ist eine Investitionsindustrie, die von Aktionären angetrieben wird, um Gewinne zu erzielen. Die Heilung von Krankheiten steht dabei im Hintergrund. Die Einkommensquelle ist der kranke menschliche Körper und das auch nur, solange er krank bleibt.

Die Entdeckung neuer Krankheiten, selbst wenn es sich nur um neue Namen handelt, ist grundlegend für das Wachstum der Pharmaindustrie.

Aber einer der wichtigsten Punkte, der zu beachten ist, ist die Tatsache, dass sich Medikamente hauptsächlich auf Symptome konzentrieren und dabei die Ursachen der Krankheit ignorieren. Die Krankheit wird nur verwaltet.

⇒ Ein geheilter Patient ist gleichzeitig ein verlorener Kunde. Es geht dabei, wie in anderen Wirtschaftszweigen auch, deshalb um eine langfristige Kundenbindung.

„Wenn Sie mit einer Erkältung zum Arzt gehen, sind Sie 7 Tage krank. Ohne Arzt 1 Woche.“

⇒ Warum werden alternative Heilmethoden wie z. B. Behandlungen mit Vitamin C und D, die nachweislich heilen können und ohne schädliche Nebenwirkungen sind, konsequent ignoriert, verteufelt, als schädlich deklariert oder gar verboten?

⇒ Auf natürliche Stoffe wie z. B. Vitamin C und D können keine Patente eingereicht werden, mit denen gigantische Umsätze generiert werden können …

„Die Pharmaindustrie interessiert sich soviel für die Gesundheit wie die Waffenindustrie für Frieden.“

⇒ Wenn eine Firma gute Produkte hat und damit auch viel Geld verdient, ist das legitim, wenn jedoch der Schaden den Nutzen bei weitem übersteigt, muss über die Sinnhaftigkeit nachgedacht werden.

⇒ Die Pharma führt die Studien zu Ihren Produkten zum größten Teil selbst durch oder die Studien werden zumindest von ihr finanziert. Wie neutral kann eine solche Studie sein?

⇒ Auch bei Contergan wurde vom Hersteller behauptet, dass das Medikament sicher ist

⇒ Sind diese Pharmaskandale nur in der Vergangenheit zu finden oder ist dies „alltägliches Geschäft“?

Es gibt unzählige – Hier einige Beispiel der Firma Pfizer: 2

Pfizer verkaufte tödliche Produkte und gab Milliarden aus um sich freizukaufen

1986: Pfizer musste eine künstliche Herzklappe vom Markt nehmen, nachdem Defekte dazu führten, dass sie mit über 300 Todesfällen in Verbindung gebracht wurde.[…] Pfizer stimmte zu, Hunderte Millionen Dollar Entschädigung zu zahlen, nachdem mehrere Klagen gegen sie erhoben wurden.

2011: Pfizer wurde gezwungen, Familien von Kindern, die in der umstrittenen Medikamentenstudie Trovan getötet wurden, eine Entschädigung zu zahlen.

2012: Pfizer musste rund 1 Milliarde US-Dollar zahlen, um Klagen beizulegen, in denen behauptet wurde, sein Medikament Prempro habe Brustkrebs verursacht.

2013: Pfizer zahlte 273 Millionen US-Dollar zur Beilegung von über 2.000 Fällen in den USA, in denen sein Medikament zur Raucherbehandlung Chantix beschuldigt wurde, Selbstmord- und Tötungsgedanken, Selbstverletzung und schwere psychische Störungen hervorzurufen.

2020: Pfizer einigte sich 2018 mit Tausenden von Kunden seines Depot-Testosteron-Medikaments, nachdem sie es wegen erhöhter Wahrscheinlichkeit zahlreicher Probleme, einschließlich Herzinfarkten, verklagt hatten.

Quelle: https://corporatewatch.org/pfizer-six-scandals-to-remember/

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Quellenangaben:

Dirty Harry

Redakteur Guckloch

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